Cul­tu­res of the Cryos­phe­re: In­fra­s­truc­tu­res, Po­li­tics and Fu­tu­res of Ar­ti­fi­ci­al Coo­ling

 |  Heinz Nixdorf InstitutPhilosophie und Ethik wissenschaftlich-technischer Kulturen

Künstliche Kühlung prägt unsere Welt grundlegend. Seit Beginn des Kalten Krieges sind Kühl- und Gefriertechnologien für eine Vielzahl alltäglicher Praktiken immer wichtiger geworden, von Ernährung über Gesundheit und Fortpflanzung bis hin zu Wohnen, Telekommunikation, wissenschaftlicher Forschung und wirtschaftlicher Produktivität.

Ein globales System aus Kühlhäusern, Kühlketten und klimatisierten Räumen ist zu einer energieintensiven, aber kaum beachteten planetarischen Infrastruktur geworden. Obwohl (oder gerade weil?) uns diese künstliche Kryosphäre überall umgibt, haben wir kein systematisches, fundiertes Verständnis von ihrer Geschichte, ihres Ausmaßes oder ihrer Funktion. Noch weniger wissen wir über die kryogenen Kulturen, das heißt das Zusammenspiel kultur-sozialer Faktoren wie Praktiken, Strukturen, Wünsche, Normen und Werte, die die weltweit wachsende Nachfrage, aber auch die ungleiche Verteilung der Nutzung künstlicher Kälte vorantreiben. Dieser Wissenslücke widmet sich das über ein ERC Synergy Grant geförderte Forschungsprojekt Cultures of the Cryosphere (CultCryo).

Das Projekt (2024–2030) unserer Fachgruppe “Philosophie und Ethik wissenschaftlich-technischer Kulturen” rekonstruiert die historische Entstehung der künstlichen Kryosphäre in vier paradigmatischen Bereichen: Air Conditioning, Food, Biomedicine, und Computing. Um die kulturelle Bedingtheit dieser gewachsenen Abhängigkeit von künstlichen Kühlen zu analysieren, vergleicht die Fachgruppe die lokalen Verhältnisse verschiedener Weltregionen (Ost-Australien, West-Indien, Mitteleuropa und den USA). CultCryo wird darstellen, wie verschiedene Kulturen Kälte erzeugen und verbrauchen, und welche potenziellen Alternativen existieren, die uns eine nachhaltigere Zukunft ermöglichen. 

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