WebArena

Webbasiertes responsives Positionieren für moderne Wissensarbeit

In heutigen Wissenarbeitsumgebungen sehen sich die Wissensarbeiter (Lernende, Wissenschaftler, Lehrer …) mit einer großen Menge von Wissensartefakten, wie zum Beispiel Texten, Bildern, Videos oder Animationen, konfrontiert. Um dieser Menge Herr zu werden, werden die Artefakte verglichen, bewertet, in Kontext gesetzt und kommentiert. Ein Wissensarbeiter kann für sich allein in einer privaten Umgebung arbeiten oder aber mit anderen Wissenarbeitern zusammenarbeiten, indem er mit ihnen Materialien austauscht, ihre Artefakte bewertet und letztlich mit ihnen eine gemeinsame Wissensstruktur erstellt. Obwohl es eine Vielzahl an Softwareprogrammen gibt, die bei der Wissensarbeit unterstützen sollen, entstehen viele Medienbrüche. Ein solcher Bruch liegt vor, wenn zur erfolgreichen Durchführung einer Aufgabe das Medium gewechselt werden muss. Wenn ein Lehrer zum Beispiel die Hausarbeit eines Schülers in einer Form vorliegen hat, in der er keine Anmerkungen machen kann, ist er dazu gezwungen, hierfür eine andere Anwendung zu verwenden oder gar auf Zettel und Papier zurückzugreifen. Dieser Bruch sorgt für einen mentalen (und in diesem Fall auch einen motorischen) Umweg.

Grafische virtuelle Wissensräume koppeln Handlungs- und Wahrnehmungsraum

Bereits vor einigen Jahren entwickelte die Fachgruppe „Kontextuelle Informatik“ einen räumlichen Ansatz zur Wissensstrukturierung. Wissensartefakte, wie zum Beispiel Texte, Bilder und andere Ressourcen, werden mithilfe eines Java-basierten Clients in einen sogenannten virtuellen Wissensraum positioniert und können so angeordnet werden. Dies erlaubt Wissensstrukturierungen, die außerhalb von Computersystemen gang und gäbe sind. Auf Büroschreibtischen beispielsweise arrangieren die Angestellten Papier- oder Bücherstapel und strukturieren ihr Material auf diese Weise implizit, ohne dass die Struktur leicht erklärbar wäre. Diese Art der Strukturierung ist nun ebenfalls möglich. In einem kollaborativen Szenario können Wissensarbeiter ihre Objekte kombinieren und so gemeinsame Wissensstrukturen bauen. Eine Anmerkung beispielsweise kann auf einfache Weise erstellt werden, indem ein Textobjekt erstellt und in die Nähe des zu annotierenden Objektes positioniert wird.

In eigenen Lehrveranstaltungen ließ die Fachgruppe „Kontextuelle Informatik“ Studenten kollaborativ virtuelle Wissensräume erstellen. Zu einem Thema, das den Studenten am Anfang des Kurses mitgeteilt wurde, erstellten diese im Laufe des Semesters gemeinsam einen virtuellen Wissensraum und präsentierten diesen mehrfach während des Semesters.

Responsive Funktionen für E-Learning und E-Science

In den bisherigen Einsatzszenarien hat der Computer eine passive Rolle. Positionierungen von Objekten in Relation zu ihren Hintergrundstrukturen oder zu anderen Objekten werden nur von den Menschen interpretiert, die das System nutzen. Eine Positionierung hat keinen weiteren Effekt als eben die Änderung der Position. Für einen neuen Client mit dem Namen WebArena standen, abgesehen von der technischen Umstellung auf HTML5, die Auswertungsfunktionen im Mittelpunkt der Entwicklung. Die Änderung einer Objektposition, ihrer Größe oder jedes anderen Attributs kann vom System ausgewertet werden und hat so weitere Effekte auf das Objekt selbst oder auf andere Objekte im gleichen Wissensraum. Ein einfaches Beispiel ist das Verschieben eines Objektes auf ein mit „öffentlich“ beschriftetes Rechteck, was automatisch die hinterliegenden Rechte an dem Objekt derart ändert, dass es auf einer Website veröffentlich oder per Mail verschickt wird.

Der neue Ansatz soll in Lehrer- und Wissenschaftlerarbeitsplätzen Anwendung finden. Zusätzlich zu den lehrbezogenen Einsatzfeldern in Universität und Schule wird die WebArena momentan auch im Projekt studiolo communis eingerichtet, bei dem Wissenschaftler des UNESCO-Kompetenzzentrums für materielles und immaterielles Kulturerbe mit einer großen Menge von Bildern und anderen Medien umgehen müssen. Mithilfe der WebArena ist es ihnen möglich, ihre Materialien zu arrangieren und sie mit Anmerkungen und Diskussionen zu verknüpfen. Bisher geschah ein solcher Diskurs meist mithilfe von E-Mails, mit allen Nachteilen, die dieses Medium mit sich bringt.

WebArena in Aktion auf einem iPad und einer virtuellen Tafel