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Multitouch und (be-)greifbare Interaktion

Nutzerzentrierte Entwicklung einer Software für die Einsatzlageplanung beim Technischen Hilfswerks (THW)

Im Rahmen einer Kooperation erweitern das HNI und das C-LAB, die kooperative Innovationswerkstatt der Universität Paderborn und Atos IT Solutions and Services GmbH, ihre Forschung zum Thema Multitouch und (be-)greifbare Interaktion. Diese Technologie basiert auf einer berührungsempfindlichen Oberfläche und ermöglicht gegenüber klassischen Bedienkonzepten, wie bspw. Tastatur und Maus, neue Interaktionsformen für eine natürlichere Eingabe. Mittels mehrerer Finger oder auch mehrerer Hände können so Elemente auf einem Bildschirm unter Verwendung von Gesten ausgewählt oder manipuliert werden.

Die „anfassbare Benutzungsschnittstelle“ lässt das System zu einem erlebbaren Gegenstand für mehrere, teilweise gleichzeitig agierende, Nutzer werden. Es ist deshalb angebracht, solche neuartigen Situationen unter Aspekten der Gebrauchstauglichkeit intensiver zu betrachten, um beispielsweise kognitive Fehlbelastungen zu vermeiden.

Multitouch-Technologie in nachhaltigen Einsatzszenarien

Besonders im Bereich von Multitouch-Tischen entsteht dabei die wesentliche Herausforderung der Definition nachhaltiger Einsatzszenarien, um aufseiten der Nutzer mehr Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit zu schaffen. In Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Helfern Thorsten Meier, Oliver Charles und dem Team des Technischen Hilfswerks (THW) Detmold konnte so eine mögliche zukünftige Arbeitsumgebung eines Multitouch-Tisches zur Unterstützung einer mobilen Leitstelle im Katastrophenfall ausgearbeitet werden. Dabei wurde durch Anwendung von Methoden des Usability Engineering ein nutzerzentrierter Gestaltungsprozess durchgeführt.

Die Erweiterung des Szenarios sieht eine Anbindung mobiler Endgeräte (Smartphone, Tablet, Car-PC) mit dem useTable vor.
Der useTable ermöglicht Standard-Interaktionen, wie das Positionieren und Skalieren von Objekten, durch mehrere Finger.

Nutzungsanforderungen aus der Praxis

Aufbauend auf einer Analyse erweiterter Interaktionskonzepte wurden sinnvolle Einsatzszenarien für Multitouch-Tische und deren technische Realisierbarkeit evaluiert, bevor im Anschluss der sogenannte „useTable“ konstruiert wurde. Nach einer umfangreichen Analyse in Form von Interviews und Workshops sowie einer Live-Übung des THW wurde der useTable als kollaboratives Unterstützungswerkzeug für die Einsatzlageplanung bestätigt. In einer ersten Version konnten die gewonnenen Erkenntnisse und grundlegende Teile des Arbeitsablaufes der THW-Helfer softwaretechnisch realisiert werden. Derzeit liegt der Fokus in der Anbindung mobiler Endgeräte (Smartphone, Tablet, Car-PC etc.) an den useTable sowie in der Entwicklung neuer, natürlicherer Möglichkeiten der Interaktion mit Multitouch und (be-)greifbaren Objekten.

Aktueller Stand des useTable und der THW App

Momentan besteht der useTable aus einer 55 Zoll großen Interaktionsfläche, auf der mittels Finger- und Stifteingabe sowie durch (be-)­greifbare Objekte interagiert werden kann. So wird das THW in die Lage versetzt, mehrere Kartenansichten als digitale und stufenlos zoombare Schichten übereinander darzustellen. Des Weiteren können Schäden und zugeordnete Einheiten auf der Lagekarte georeferenziert angelegt, klassifiziert und nach bestimmten Kriterien gefiltert werden. Außerdem können bspw. für einen geplanten Pumpvorgang in Hochwassergebieten alternative Berechnungen von Arbeitsmaterial und Pumpparametern in Form einer Wegstreckenzeichnung mit einem digitalen Stift analysiert werden. Experten des THW bestätigten bereits die immense Effizienzsteigerung.

Aus der laufenden Analyse und Evaluation ergeben sich neue Anforderungen. Übergeordnetes Ziel bleibt es, eine für den Nutzer gebrauchstaugliche Lösung zu entwickeln. Die intensive Zusammenarbeit mit dem THW in Detmold wird dabei weiterhin die Grundlage für Erfassung und Analyse der Arbeitsabläufe und Nutzeranforderungen darstellen.