Lernen auf Reisen

Eine durchgängig verfügbare Lernumgebung

Etwa 12.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland wechseln jede Woche die Schule, weil ihre Eltern als beruflich Reisende unterwegs sind. Gemeinsam mit der Bezirksregierung Detmold und weiteren Partnern wurde eine innovative Plattform entwickelt, um für diese Schüler eine durchgängig verfügbare Lernumgebung zu schaffen.

Kinder von Schaustellern, reisenden Handwerkern, Binnenschiffern und Zirkusartisten werden während der Reisezeit in Stützpunktschulen unterrichtet. Nicht selten besuchen die Schülerinnen und Schüler während dieser Zeit mehr als 40 verschiedene Schulen in allen Bundesländern und dem benachbarten Ausland. Die tatsächlich zur Verfügung stehende Lernzeit reduziert sich dabei häufig auf deutlich unter die Hälfte der Lernzeit, die anderen Schülerinnen und Schülern zur Verfügung steht.

Im Regierungsbezirk Detmold gibt es für diese mobilen Schülerinnen und Schüler mit der »Lernen auf Reisen«-Schule, kurz LARS, ein besonderes Bildungsangebot, durch das ergänzende sowie zum Teil neue Lernangebote für Schülerinnen und Schüler auf Reisen bereitgestellt und die Möglichkeit zu strukturiertem Lernen verbessert werden.

Basierend auf der Plattform open-sTeam wurde dazu eine vollständig neue Web-Applikation konzipiert und umgesetzt, die speziell auf die Anforderungen der Lehrer und Schüler und die spezifische Betreuungssituation der »Lernen auf Reisen«-Schule zugeschnitten ist. Durch die Nutzung modernster Web-Technologien wie AJAX wurde dazu eine Benutzungsoberfläche geschaffen, die in ihrer Bedienung eher einer Desktop-Anwendung als konventionellen Web-Anwendungen ähnelt.

Den Kern der Anwendung bildet ein persönlicher virtueller Schreibtisch, der Bereiche für die einzelnen Schulfächer enthält. Hier können Lehrerinnen und Lehrer Aufgabenpakete erstellen, wobei sie sowohl auf Ressourcen in der regionalen Plattform bid-owl als auch im gesamten Internet zugreifen können. Die Aufgabenpakete stellen sie dann – nach Bedarf individuell angepasst – wahlweise einzelnen Schülern oder Gruppen von Schülern zur Bearbeitung zu Verfügung. Die Schüler bearbeiten die ihnen zugewiesenen Dokumente und Aufgaben ebenfalls auf persönlichen Schreibtischen. Um ein langfristiges Arbeiten über ein komplettes Schuljahr zu ermöglichen, wird eine Archivierung in einer übersichtlichen Form vorgenommen.

Für die »Lernen auf Reisen«-Schule von besonderer Bedeutung sind die Koordination und Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern. Die jeweils beteiligten Personen werden informiert, wenn sich für sie relevante Änderungen an Dokumenten ergeben haben. Ein Schüler kann für jede Aufgabe einen Status vergeben, um so zum einen Überblick über die noch zu erledigenden Aufgaben zu behalten und zum anderen seinem Lehrer zu signalisieren, welche Aufgaben er bereits bearbeitet.

Über eine integrierte Kommunikationskomponente können Schüler und Lehrer Nachrichten austauschen, so dass Nachfragen von Seiten des Schülers und zusätzliche Informationen von Seiten des Lehrers einfach innerhalb der Plattform ausgetauscht werden können. Jeder Benutzer kann bei Bedarf in einer Awareness-Komponente anzeigen lassen, wenn er ansprechbar ist. Weitere Kommunikationskomponenten wie ein – flüchtiger – Chat oder ein Video-Chat befinden sich derzeit in der Erprobung.

Neben der Nutzung in der »Lernen auf Reisen«-Schule wird auch die Verwendung im Unterricht an normalen Schulen erprobt. Hier erhalten Schulklassen einen gemeinsamen Schreibtisch, der zunächst über die gleichen Funktionalitäten verfügt wie die persönlichen Schreibtische der LARS-Schüler. Eine Übertragung des Konzepts der virtuellen Schreibtische auf andere Anwendungskontexte ist angedacht.

Projektpartner:

  • Bezirksregierung Detmold