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Sonderforschungsbereich 901

Individualisierte IT-Dienstleistungen in dynamischen Märkten

Das Ziel des SFB 901 ist die Entwicklung von Methoden zur automatischen On-The-Fly-(OTF)-Konfiguration und Ausführung individueller IT-Dienstleistungen aus auf weltweiten Märkten verfügbaren Services. Neben der Konfiguration solcher Dienste durch spezielle OTF Provider und deren Ausführung durch spezielle OTF Compute Center umfasst dies die Entwicklung von Methoden zur Qualitätssicherung, Sicherheit, Interaktion und Marktentwicklung.

Heute stehen wir am Beginn eines neuen Abschnitts in der Entwicklung und Ausführung von IT-Dienstleistungen. Wir sehen erste Ansätze zur Abkehr von dem 40 Jahre alten Prinzip der Beschaffung von Software durch Einkauf von teuren, relativ unflexiblen Standardlösungen beziehungsweise der noch teureren Erstellung durch Softwarehäuser oder eigene Softwareabteilungen. Mit Grid und Cloud Computing wird es möglich, IT-Dienstleistungen und ihre benötigten Ressourcen nur bei Bedarf und nur in der benötigten Form einzukaufen. Mit den service-orientierten Architekturen stehen Methoden zur Verfügung, Software zumindest unternehmensintern flexibel zusammenzustellen. Diese ersten Ansätze für eine neue Art der Erbringung von IT-Dienstleistungen bilden den Ausgangspunkt für die Forschungen im Sonderforschungsbereich 901 „On-The-Fly Computing“.

Die Vision des „On-The-Fly Computing“ sind Services, die von individuell und automatisch konfigurierten und zur Ausführung gebrachten IT-Dienstleistungen auf Märkten frei gehandelt und flexibel kombiniert werden können. Gleichzeitig zielt der SFB 901 auf die Organisation von Märkten ab, deren Teilnehmer/innen durch geeignetes unternehmerisches Handeln einen lebendigen Markt der Services aufrechterhalten. Mit dieser Vision schaut der SFB 901 weit in die Zukunft der IT-Entwicklung und -Nutzung, deren erste Wandlungen wir aber schon heute erleben.

Um zu erforschen, inwieweit diese Vision realisierbar ist, werden Methoden und Techniken entwickelt, die

  • eine weitestgehend automatische Konfiguration, Ausführung und Adaption von IT-Dienstleistungen aus Services ermöglichen, die auf Märkten weltweit verfügbar sind,
  • die Sicherung der Qualität der so erbrachten Dienstleist­ungen und den Schutz der Akteure in den Märkten garantieren sowie
  • die Organisation und die Weiterentwicklung dieser Märkte und die für diese Aufgaben notwendige Interaktion zwischen den Akteuren unterstützen.

Um diese Ziele zu erreichen, arbeiten Informatiker aus unterschiedlichen Disziplinen wie Softwaretechnik, Algorithmik, Rechnernetze, Systementwurf, Sicherheit und Kryptografie mit Wirtschaftswissenschaftlern zusammen, die ihre spezifische Expertise einbringen. So können die Organisation und Weiterentwicklung des Marktes vorangetrieben werden.

Start eines neuen Transferprojekts

In diesem Jahr konnte der SFB 901 ein weiteres, inzwischen das dritte, Transferprojekt starten. Zum 1. September 2021 wurde von der DFG die Förderung des Transferprojekts T3 „Automatisierte Risikoanalyse in Bezug auf Open-Source-Abhängigkeiten (Hektor)“ genehmigt. Aufbauend auf den im Projektbereich B des SFB entwickelten Techniken zur Qualitätssicherung von Services in OTF-Märkten erforscht das Konsortium um das Mitglied des Heinz Nixdorf Instituts Professor Eric Bodden zusammen mit dem Industriepartner SAP SE, wie diese Techniken für das sichere Handling von Open-Source-Abhängigkeiten in großen Software-Entwicklungs-Ökosystemen angewendet werden können. Zu diesem Zweck wird in der dreijährigen Laufzeit von T3 zusammen mit der SAP SE ein Werkzeugkasten aufgebaut, der Entwickler*innen bei der Abschätzung des Risikos unterstützt, welches durch die Verwendung von Software-Services von Drittanbieter*innen entsteht, d. h. der/die Entwickler/in soll Schwachstellen zuverlässig identifizieren können, selbst in Situationen, in denen der entsprechende Code neu verpackt oder aus dem Quellcode neu kompiliert wurde. Darüber hinaus wird der Werkzeugkasten durch geeignete Gegenmaßnahmen Entwickler*innen ermöglichen, die Angriffsfläche ihrer Anwendungen zu minimieren und ihre Ausführung gegen bestimmte Schwachstellen wirksam zu schützen.

Diverse Rufe an Mitglieder des SFB 901

Im Jahr 2021 haben nicht zuletzt auch durch ihre erfolgreichen Arbeiten im SFB 901 diverse Mitglieder Rufe auf Professuren an anderen Universitäten und Forschungseinrichtungen erhalten. Neben dem Mitglied des Heinz Nixdorf Instituts Professor Eyke Hüllermeier (ad personam Ruf an die Ludwig-Maximilians-Universität München) sind Professorin Heike Wehrheim (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg), Professorin Nancy Wünderlich (Technische Universität Berlin), Professor Holger Karl (Hasso-Plattner-Institut Potsdam) sowie Dr. Daniel Kaimann (Erasmus-Universität Rotterdam) den erhaltenen Rufen gefolgt und haben an den genannten Einrichtungen neue Aufgaben gefunden. Erfreulicherweise konnten wir aber alle Genannten im SFB 901 weiterhin als externe Mitglieder halten, so dass dem erfolgreichen Fortgang des SFB bis zu seinem regulären Ende am 30. Juni 2023 nichts im Wege steht. 

Heinz Nixdorf Symposium 2022

Für den 15. - 16. September 2022 plant der SFB 901 die Ausrichtung des nächsten Heinz Nixdorf Symposiums. Das Symposium soll sich an Forscher*innen, aber auch an Praktiker*innen aus der Industrie und anderen Einrichtungen richten, die im weiteren Sinne an Themen des SFB forschen oder arbeiten. Durch hochkarätige Vortragende, interessante Workshops und ein exzellentes Rahmenprogramm wollen wir den SFB, das Heinz Nixdorf Institut und den Forschungsstandort Paderborn noch stärker in den entsprechenden Communities sichtbar machen.

ICALP 2023

Zum regulären Ende des SFB 901 zur Jahresmitte 2023 wird vom 10. – 14. Juli im Heinz Nixdorf MuseumsForum ein weiteres wissenschaftliches Highlight unter maßgeblicher Beteiligung der Mitglieder des SFB stattfinden – das 50. Internationale Kolloquium über Automaten, Sprachen und Programmierung (ICALP). Die ICALP ist die wichtigste Konferenz und Jahrestagung der Europäischen Vereinigung für Theoretische Informatik (EATCS). Die Konferenz wurde 1972 ins Leben gerufen und deckt alle Aspekte der theoretischen Computerwissenschaft ab. Im Rahmen der Jahrestagung vergibt die EATCS unter anderem auch sehr renommierte Wissenschaftspreise: Der Gödel-Preis (benannt nach dem bedeutenden Logiker Kurt Gödel) wird seit 1993 für herausragende Veröffentlichungen in der theoretischen Informatik in Kooperation mit der „Special Interest Group on Algorithms and Computation Theory“ (SIGACT) der „Association for Computing Machinery“ (ACM) verliehen. Der EATCS-Award wird seit 2000 jährlich an herausragende theoretische Informatiker*innen für ihr Lebenswerk vergeben. Zudem wird seit 2010 der Presburger Award (benannt nach Mojzesz Presburger, der als Student in 1929 die Presburger-Arithmetik erfand) an hervorragende Nachwuchswissenschaftler*innen vergeben. Übrigens richtete das Mitglied des Heinz Nixdorf Instituts und der jetzige Sprecher des SFB 901, Professor Friedhelm Meyer auf der Heide, zusammen mit seinem damaligen Kollegen Professor Burkhard Monien die 23. ICALP schon einmal in Paderborn aus. Also: „Save the date!“

Der Sprecher des SFB 901, Prof. Dr. Friedhelm Meyer auf der Heide, bei der Eröffnungsrede zum HNI Symposium 2016