29. Oktober 2014

Der zufriedene Patient 2.0

Das Projekt „Der zufriedene Patient 2.0“ des Heinz Nixdorf Instituts (Universität Paderborn) untersucht das Verhältnis zwischen Arzt und Patient anhand von anonymen Bewertungen im Internet.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Arzt? Wie lange warten Sie auf einen Termin? Seit Anfang März werden Antworten auf diese Fragen von der Paderborner Projektgruppe „Der zufriedene Patient 2.0“ des Heinz Nixdorf Instituts ausgewertet. Über zehn Monate sammelt das Team um Jun.-Prof. Michaela Geierhos bundesweit Arztbewertungen aus anonymen Internetportalen. Im Zentrum der Auswertungen steht die Frage, inwiefern die abgegebenen Bewertungen durch Faktoren wie Einkommen, Lebensqualität und Arbeitslosenquote beeinflusst sind.

Weit über 200.000 Bewertungen werden ausgewertet, mit dem Ziel „zu verstehen, wodurch die Patientenzufriedenheit beeinflusst wird“, so Geierhos: „Speziell, ob in Regionen mit einer hohen Lebensqualität Patienten mit ihrem Arzt zufriedener sind als in Regionen mit niedriger Lebensqualität, beispielsweise bedingt durch eine hohe Arbeitslosigkeit.“ Zusätzlich sollen die Daten mit Vorurteilen aufräumen, wie den angeblich unzufriedeneren 50+-Patienten.

Durch einen Vergleich der Ergebnisse aus Bayern (niedrigste Arbeitslosenquote) und Berlin (höchste Arbeitslosenquote) erschließt sich bereits, dass die Arbeitslosenquote keinen bedeutenden Einfluss auf die Bewertungen hat. Weitere Auswertungen ergeben, dass gesetzlich Versicherte ihren Arztbesuch generell schlechter bewerten als privat Versicherte. Erwartungsgemäß ist dies auf längere Wartezeiten bei der Terminvergabe und im Wartezimmer zurückzuführen. Unabhängig von der Versicherungsart vergeben Patienten je halbe Stunde Wartezeit einen Notenschritt schlechter. Auch das Alter wirkt sich auf das Beschwerdeverhalten aus. So hat sich gezeigt, dass jüngere Patienten tendenziell strenger bewerten als ältere. Bis Ende Dezember möchte die Projektgruppe auch Erkenntnisse über die Gründe eines Arztwechsels gewinnen.

„Der zufriedene Patient 2.0“ soll zu einer langfristigeren Verbesserung der Arzt-Patienten-Beziehung beitragen, denn wenn Arztpraxen, Kliniken oder Krankenkassen wissen, was den Patienten wichtig ist, können sie ihre medizinischen Dienstleistungen auch entsprechend anpassen. Das Projekt wird von der Verbraucherzentrale NRW mit 22.000 Euro gefördert.

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