21. Mai 2019

Pilotprojekt Schlosskreuzung – Weniger Staus durch optimale Verkehrsflussregelung

Optimierung des Verkehrsflusses zur Senkung der Emissionen und Wartezeiten aller Verkehrsteilnehmer – die Fachgruppe „Regelungstechnik und Mechatronik“ verfolgt dieses Ziel im Testgebiet rund um die Schlosskreuzung und Residenzstraße in Schloss Neuhaus.

Stockender Verkehr und Staus in städtischen Kreuzungsbereichen verursachen schädliche Emissionen. Im Gegensatz zu lokalen Fahrverboten, die das grundlegende Problem nur verlagern, statt es zu lösen, wirkt die Verstetigung des Verkehrsflusses durch eine adaptive, optimale Verkehrssteuerung diesem Problem nachhaltig entgegen. Unerwünschte Nebeneffekte für Verkehrsteilnehmer und Anwohner durch Ausweichen des Verkehrs auf benachbarte Wohngebiete, wie sie bei Fahrverboten in anderen Städten beobachtet wurden, sollen ausbleiben. Das „Pilotprojekt Schlosskreuzung“ setzt auf den Ansatz einer „intelligenten“ Verkehrssteuerung, um eine Verstetigung des Verkehrsflusses zu erreichen. Das Vorhaben, ein Verbundprojekt mit drei weiteren Partnern, wird im Rahmen der digitalen Modellregionen in NRW mit Zuwendungen von 1,7 Millionen Euro durch das Landesministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie gefördert. Die Laufzeit beträgt drei Jahre, in denen zunächst anhand eines mit realen Verkehrsdaten validierten Simulationsmodells in der Umgebung der Schlosskreuzung eine optimale Verkehrsflussregelung entwickelt werden soll. Der Schlüssel dazu ist die Erhebung von Echtzeit-Verkehrsdaten, die stets Informationen über das aktuelle Verkehrsaufkommen samt Fahrzeugklassifizierung liefern soll. Eine anschließende Erprobung und Bewertung der neuen Steuerungsalgorithmen im Testgebiet sind ebenfalls vorgesehen. Dazu muss die bisher vorhandene Verkehrsinfrastruktur in Schloss Neuhaus ausgebaut werden. Neben der Anpassung der Steuergeräte der Lichtsignalanlagen (LSA) und deren Kommunikation mit dem Verkehrsrechner bedarf es der Installation von Messeinrichtungen zur Klassifizierung des Verkehrsaufkommens. Mit der Stadt Paderborn und den lokal ansässigen Unternehmen RTB GmbH & Co. KG aus Bad Lippspringe und Stührenberg GmbH aus Detmold beteiligen sich deshalb Partner am Projekt, die über das für die infrastrukturelle Umsetzung nötige Know-how verfügen.

Startschuss des Projekts war das Kick-off-Meeting Anfang Februar, bei dem die ersten Arbeitsschritte konkretisiert und Arbeitsgruppen gebildet wurden. Durch eine neuerliche Ortsbegehung wurden im Testgebiet in Schloss Neuhaus bereits geeignete Messstellen identifiziert und die jeweils speziellen lokalen Rahmenbedingungen analysiert. So kann zeitnah mit der Installation der Messtechnik von RTB und der Datenerfassung begonnen werden.

Parallel dazu arbeitet die Fachgruppe „Regelungstechnik und Mechatronik“ an der Modellierung der Verkehrswege im Testgebiet. Mithilfe der Verkehrssimulationssoftware SUMO werden sämtliche verkehrsbeeinflussenden Faktoren wie unter anderem das Straßennetz selbst, LSA und ihre aktuellen Steuerungsprogramme sowie Sensoren nachgebildet. Sobald die ersten Verkehrsdaten vorliegen, sollen diese in das Simulationsmodell einfließen. Außerdem wird eine simulative Routennachbildung und -generierung anhand fiktiver Verkehrsdaten entwickelt. Diese Routen dienen der Modellvalidierung und sollen darauf aufbauend bei der Auslegung der Regelungs- und Steuerungsalgorithmen genutzt werden. Im weiteren Projektverlauf wird die daraus resultierende Schaltungslogik auf den LSA-Steuergeräten von Stührenberg implementiert und getestet.

Generell versteht sich dieses Vorhaben als Pilotprojekt, weil der entwickelte Ansatz auf vergleichbare Situationen andernorts übertragen werden soll. Dank standardisierter Verfahren sollen unterschiedlichste Verkehrssituationen ähnlich modifiziert werden können, damit auch andere Stadtgebiete Paderborns und weitere Kommunen von den hier erzielten Ergebnissen profitieren können.

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